Die Öffnung einer Zeitkapsel

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Allgemein, Hausgeschichte

Als im Jahr 2010 die gesamte Werkbundsiedlung unter Denkmalschutz gestellt wurde, war bereits klar: Beim Reihenhäuschen an der Westbühlstrasse 59 handelt es sich um etwas Besonderes. Die Genossenschaft hatte über jedes Häuschen eine Art Renovationstagebuch geführt und so war bekannt, dass beim Haus Westbühlstrasse 59 nur kleinere Eingriffe gemacht worden waren. Die damalige Bewohnerin lebte seit dem 1. April 1938 (!) im Haus und hatte sich in all den Jahren gegen grössere Renovationen ausgesprochen.

Bauzeitliches Lavabo im Schlafzimmer (Foto: Fotoarchiv kantonale Denkmalpflege Zürich)

Abgesehen von gelegentlichen Malerarbeiten sowie kleineren Reparaturen befand sich das Haus also im Originalzustand – inklusive Küche und Bad aus den 1930er Jahren. Als es dann 2012 frei wurde, war klar, dass es sich bei dieser Zeitkapsel aus den 1930er Jahren um ein einzigartiges Museumshaus handelt, welches integral erhalten werden sollte.

Blick in den sanft renovierten Gang mit neuer Tapete (Foto: Fotoarchiv kantonale Denkmalpflege Zürich)

Bei der sanften Instandsetzung untersuchten Restauratoren das Häuschen auf seine originale Farbigkeit hin, machten Schnitte in jüngere Tapeten, um einen Blick auf ältere Zustände zu erhaschen und kratzten an Türrähmen um den richtigen Grauton zu finden.

Das Haus war dann auch ein weiterer Puzzlestein um das Bauteil-, Material- und Farbkonzept der ganzen Siedlung zu vervollständigen. In einem Handbuch wurden sämtliche Wohnungstypen auf ihre ursprünglichen Einbauten und Oberflächen hin untersucht und so ein Katalog als Grundlage für künftige Umbauten der Siedlung geschaffen.

So gibt das einzigartige ‘Museumshaus’ heute einen unverfälschten Eindruck vom ‘Neuen Wohnen’ wie es in den 1930er Jahren propagiert wurde.

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